Aufseher

Die Merkmale sind gesetzt. Dunkler Anzug. Etikett am Revers (meist) oder am Hosenband leicht versteck. Still stehen. Wieder langsam, leise schreiten. Still stehen. Gedanken versunken, Blicke manchmal fixiert auf den versiegelten Boden. Oder zur getünchten Decke.
Aufseher, die Beschützer der Kunst. Ein Job, der in die Beine geht – kein Zuckerlecken der Dienst und Verdienst. Rentner, arbeitslose Akademiker, Studenten sind im Aufsichtsdienst auszumachen.
Manfred, 67, Museumswart in der Hamburger Kunsthalle: „Manche Besucher kommen den Kunstwerken bedenklich nahe. Doch immer, wenn ich Kraft meiner Autorität einschreiten will, ziehen sie ihre Nasen ein Stück zurück. Es scheint auch telepathisch zu funktionieren“.
Auf Erlebnisse angesprochen zitiert er lose ironisch aus Thomas Bernhard, Alte Meister: „Die Italiener mit ihrem angeborenen Kunstverstand treten immer auf, als wären sie von Geburt an die Eingeweihten. Die Franzosen gehen eher gelangweilt durch das Museum, die Engländer tun so, als wüssten sie alles. Die Deutschen schauen im Museum die ganze Zeit in den Katalog, sie kriechen, während sie durch das Museum gehen, immer tiefer in den Katalog hinein, so lange, bis sie wieder aus dem Museum sind…“. “Zitatende…”. Pause. Schmunzeln, lächeln. Weitergehen.
Raumwechsel – sehen, beobachten, betreuen.
© Philipp Senn. 2014 Kunstmuseum. Basel.

© Philipp Senn. Basel. Kunstmuseum. Meisterlich. Wissen, Googeln oder Liebesbotschaft senden?

© Philipp Senn. 2011. Venezia.

© Philipp Senn. Venezia. “Ja ein Traumjob für Rentner. Wenn du das acht Jahre machst als jüngerer Mensch, dann – mit Verlaub gesagt – rieselt dir der Sand aus den Ohren.”

© Philipp Senn. 2011. Arsenale. Venezia.

© Philipp Senn. Venezia. Arsenale. Warm anziehen. Studentessa – Aufsicht unter freiem Himmel.

© Philipp Senn. 2011. Arsenale.

© Philipp Senn. Venezia. Arsenale. Mal nebenher noch Manuskripte redigieren.

© Philipp Senn. 2014. Basel. Fondation Beyeler. "Ja ein Traumjob für Rentner. Wenn du das acht Jahre machst als jüngerer  Mensch dann - mit Verlaub gesagt - rieselt dir der Sand aus den Ohren."

© Philipp Senn. Basel. Fondation Beyeler. Arbeit bis in die Nacht.

© Philipp Senn. 2012. Kassel. dOCUMENTA (13). Ich geh dann mal in die Kaffeepause.

© Philipp Senn. Kassel. dOCUMENTA (13). “Ich geh dann mal in die Kaffeepause”.