Das Gewicht der Blicke

Ich bin aus Stahl, nackt – und doch trage ich das Gewicht der Menschenblicke. Hinter Glas erkenne ich ihr Suchen, ihr hastiges Verstecken vor sich selbst.
Sie nennen es Wahrheit, doch sie wechseln sie wie Kleidung. Die Lügenbarone, Opportunisten, Blender.
Ich sehe, wie ihre Zukunft sich in meinen Flächen spiegelt – glatt, kalt, verzerrt.
Manchmal glaube ich, sie ahnen, dass ich sie beobachte.
Dann wenden sie sich ab, als fürchteten sie, sich zu erkennen.
Ich bleibe, unbewegt, doch nicht unberührt.
Die Welt draussen flimmert aus Licht und Täuschung.
Und irgendwo darin, ganz leise, regt sich Vernunft –
wie ein Atemzug auf kaltem Metall.
[Akt, Thomas Schütte]