Der Polare

Die schwarz gefassten weissen Quadrate und der gelbe Farbtupfer erinnern an Konstruktivismus, an ein Bild von Piet Mondrian. Calvinistisch, ästhetisch. Doch die gold-kitschige Brause? Leicht verbraucht schon. „Es ist die Vergänglichkeit, die Zerbrechlichkeit der Dinge“, erwidert der Künstler. „Ich bin Gegner der geraden Linien und jeglicher Standardisierung. Bin vielmehr Freund der fantasievollen Lebendigkeit, bin Individualist – die Vielfalt und Schönheit der Farben weisen ins Paradies“.
Kuratoren zählen ihn zu den Ikonen der Pop-Kultur. Zu Recht?
Die Montessori-Schule („hilf mir es selbst zu tun!“) prägt sein vielschichtiges Schaffen. Er vertraut engen Wegbegleitern. Der Maler ist auch in den Bereichen Architektur und Umweltbewusstsein aktiv. Er ist nicht überall beliebt – eine sonderbare Mischung aus antiautoritären, humanistischen und postromantischen wie reaktionären Elementen. Ein Widersprecher.
Die Türe zum Atelier-Wohnraum steht unverhofft offen. Reinigungsarbeiten?
Ich schaue mich um. Niemand da. Nur die Stille.
Der katholisch getaufte Fritz Stowasser, Sohn einer Jüdin und eines arbeitslosen Ingenieurs, stirbt 2000 an Bord der kriegserprobten Queen Elisabeth 2 vor Brisbane. „Fritz“ ist weltbekannt – Friedensreich Hundertwasser.

© Philipp Senn