Die Gardener

Auf den zweiten Blick bestätigt sich mein Vermuten, nicht nur seinem leichten Akzent wegen. Der gross gewachsene Gärtner ist Kanadier. Sein Habitus sendet klare Signale. Sein aufrechter Gang, sein geschickter Baumschnitt am alten Ginko und sein verschmitztes Lachen strahlen Selbstbewusstsein. Das gemusterte Canvas-Hemd trägt er über einer schlammfarbenen Cargo-Hose.
Seine rothaarige Kollegin unterscheidet sich nur im kastanienfarbenen Rollkragenpullover. Sie nutzt lässig den Rechen fürs Laub. Die golden spiralgeformten Farne hinten bleiben stehen.
Die zwei Gardener gehen angenehm, kultiviert miteinander um. Eins und Eins in perfekter Harmonie?
Wie sich herausstellt ist Redhair (wie ich sie in Gedanken nenne) Akademikerin, aus Syrien geflüchtet. Welches Schicksal sie wohl erleben musste, Mauern brechen, Wege suchen aus der Heimat?
Mein Freund, der Gutsbesitzer, erzählt Monate später, wieder beim Teegebäck im Wintergarten, Redhair und Canvas-Mann sind ins freie Land gewandert. Sie waren ein Paar, füreinander bestimmt. Ich gestehe, ich musste schon beim ersten Sehen an Rosamunde Pilcher denken.

© Philipp Senn