Die neue Zeit

Und plötzlich so dicht in der neuen Gegenwart. Die Nähe ist ihr zu nah. Die Dauer zu dauerhaft. Fliehen – standhalten? Der Mann entfernt an ihrer Seite, erahnt ihren Weggang und entsinnt sich Botho Strauss’ Essays in „zu oft umsonst gelächelt“ und der vielschichtigen Unbestimmtheit zwischen Mann und Frau.
In ihren an ihn gerichteten SMS-Zeilen „…du so treuer Held…“ singt leise angekündigter Abschied.
Lässt Zukunft Treue zu, fragt er sich. Sendet die am Ausgang hingeworfene Jacke ein Zeichen unverhofften Wegseins?
Die wilden Gedanken voll Empathie schaffen kaum noch die Eichen-Treppenstufen ins frühe Heim.
Sie, die Schöne, mit dem so grazilen Gang, die zielbewusste Zweiflerin, stützt die Macht der Ungewissheit. Sie steht am Ausgang einer endlos verwarteten Beziehung.
Das Jackett, das verlassene Zeichen. Die Stoffhaut liegt so abweisend, verwelkt, achtlos da.
Die kurz getragenen scharfen High Heels mit dem Preisschild an der Sohle, ein Vergissmeinnicht aus dem Garten der lustvollen Berührung?
Die neue Zeitrechnung, eine Vision der Realität. Die Nähe – zu nah, in dieser Epoche.
Die Welt wird kleiner.

© Philipp Senn