Die Station

Ich will sie besuchen. Doch sie ist schon weg. Und ich frage mich – wo ist sie denn hin? Ich kenn sie nicht und doch, unbekannt ist sie mir nicht.
Nun einfach so weg? Ohne Notiz?
Ich hab sie in der Stadt getroffen. Nur einen Schritt vor mir. Der Sturz – kein Aufschrei, bloss ein leicht schmerzverzehrtes Lächeln. Die zwei, drei Tränen trocknen schnell.
Der Chirurg in der Notaufnahme meint, sie ist eine tapfere Frau. Gratuliere! Verzeih, ich bin nicht ihr Mann, ein Freund nur, vielleicht.
Ich sehe mich um, in der exquisiten Klink. Hier wird man wohl schnell gesund. Fremd- und Selbstheilkräfte.
Die Suche nach dem Namen der feinen Heldin bleibt ohne Erfolg. Ich bin nicht ihr Mann. Diskretion auf der Station – trotz Gratulation.
Sie schien so zerbrechlich und konnte nicht mehr schreiben.
Danach blieb keine Zeit zum Warten. Warten, ohne zu wissen, worauf.
Die Sonnenblumen werden welken.
Das bittere Lächeln vergesse ich nie.

© Philipp Senn.

© Philipp Senn.

© Philipp Senn