The Voice

Stimmen eines Gospel–Chors dringen aus der Kathedrale. Magisch zieht es mich hin. Ich höre den Gesangs-Proben lange zu, denn eine Soul-Rock-Stimme lässt mich nicht los, sticht heraus – impulsiv. Ich denke unvermittelt an Gianna Nannini. Die Sängerin Conny Cuordoro kann ihre Italo-Wurzeln nicht verstecken. Lebensfreude. Italianità.
Sie ist, wie sich später herausstellt, auch Singer-Songwriter mit eigenem Ton-Studio. Rock, Pop, Soul.
Ein schneller Italo-Flitzer passt ebenso zu ihr. Sie selbst, ein Kraftpaket. Und diese Power muss raus. Ein Ausgleich wohl zur Herausforderung im Medizin-Beruf, im OP-Saal einer Klinik.
So ein Power-Weib kann nicht still sein – ist engagiert mit berührenden Songs zu Gunsten der Stiftung ELA, Europäische Vereinigung gegen Leukodystrophien, einer erblich bedingten Krankheit.
Während der Photo-Projekt-Arbeit zu einer CD-Cover höre ich die Stimme nach Wochen wieder. Gänsehaut. Nun muss ich eher an Tina Turner denken. Ich sage nichts, vermute Conny mag Vergleiche nicht – bleibe stumm, ich würde die Antwort kennen – „Mein Lieber: Ich bin Ich!“ Nun denke ich sanft, verdrücke dich unbemerkt. Doch die Stimme, sie holt mich ein.

© Philipp Senn. Conny, “the voice”. Impulsiv.

© Philipp Senn. Junge Frau mit Stimmlage “Alt”. Kann auch in leisen Tönen…