Vor dem Catwalk

Sie sprechen eine andere Sprache. So unter sich. Die Luft ist dünn, knisternd, eine andere Sphäre – der Duft der Frauen. Das Zuhören ist leise, ohne zu unterbrechen. Sie sind gleichartig, egal, ob zu zweit oder in einer Gruppe. Sie freuen sich über Gemeinsamkeiten, tauschen sich aus, bestärken sich und nutzen Empathie, um sich gegenseitig zu signalisieren, wie nah sie einander sind.
Die Higheels warten gepaart geordnet zwischen zerrissenen stonewashed Jeans. Die Sneakers zerstreut, verloren. Nebensache.
Model Aurelia wirft ihre Levis mit gezieltem Wurf über die Stuhllehne. Belanglos. Dies ärgert Papa. Der angegraute Designer unterdrückt seine Nervosität, der Alte ist seit seiner Jugend adrett korrekt. Ein Erfolgsrezept? Die Stimme und sein Aussehen erinnern mich an Truman Capote.
Das stille, unsichtbare Arbeiten mit lautloser Kamera – ist dies der Grund des Engagements oder der vermeintlich stilsichere Blick?
Der Catwalk fordert Konzentration. Öffentlichkeit.
Ich liebe Backstage. Mein Cameo Auftritt im Trailer ist ungewollt.
Am Tag danach schreibst Du mir, Du hättest mich gesehen.
Ich hätte mich gefreut, Dich zu sehen. Dein katzenartiger Schritt lässt mich verstummen.

© Philipp Senn. Model Nadine.

© Philipp Senn. Model Anaïs

© Philipp Senn. Debora im MM_Look.

© Philipp Senn. Cat-Talk.