Der Polare

Die schwarz gefassten weissen Quadrate und der gelbe Farbtupfer erinnern an Konstruktivismus, an ein Bild von Piet Mondrian. Calvinistisch, ästhetisch. Doch die gold-kitschige Brause? Leicht verbraucht schon. „Es ist die Vergänglichkeit, die Zerbrechlichkeit der Dinge“, erwidert der Künstler. „Ich bin Gegner der geraden Linien und jeglicher Standardisierung. Bin vielmehr Freund der fantasievollen Lebendigkeit, bin Individualist – die Vielfalt und Schönheit der Farben weisen ins Paradies“.
Kuratoren zählen ihn zu den Ikonen der Pop-Kultur. Zu Recht?
Die Montessori-Schule („hilf mir es selbst zu tun!“) prägt sein vielschichtiges Schaffen. Er vertraut engen Wegbegleitern. Der Maler ist auch in den Bereichen Architektur und Umweltbewusstsein aktiv. Er ist nicht überall beliebt – eine sonderbare Mischung aus antiautoritären, humanistischen und postromantischen wie reaktionären Elementen. Ein Widersprecher.
Die Türe zum Atelier-Wohnraum steht unverhofft offen. Reinigungsarbeiten?
Ich schaue mich um. Niemand da. Nur die Stille.
Der katholisch getaufte Fritz Stowasser, Sohn einer Jüdin und eines arbeitslosen Ingenieurs, stirbt 2000 an Bord der kriegserprobten Queen Elisabeth 2 vor Brisbane. „Fritz“ ist weltbekannt – Friedensreich Hundertwasser.

Bau Kunst

“Findest Du das denn schön? So was würde ich nie photographieren. Schwerfällig, dieser Dockland-Bau; gefällt nicht. Am Glockengiesserwall, weiter oben, der schlichte Kubus von Mathias Ungers bei der Hamburger Kunsthalle, das schaue Dir an…“ Hey, Du, Architekturstudentin – was ist denn gute Architektur, vorbildliches Bauen? Sind es von hochdotierten Jurys prämierte ikonenhafte Bauten, deren Architekten zumindest Pritzker-Preisträger sind? Was bringen die dogmatisch belehrenden Diskurse über Ästhetik – über gut oder schlecht? Besserwisser Weisheiten, sie perlen runter wie Regentropfen auf meiner virtuellen Pelerine.
Bei sehenswerter Architektur geniesse ich das Geheimnis der Klarheit. Kein Hinterfragen ist notwendig. Die Intuition weist den Weg. Keine extra Reise mit dickem Architekturführer in der Hand – vielmehr das Finden, das Durchwandern dieser Welt lässt mich mit der Kamera spielen. Zufälle, aus der Schultertasche gezogen.
Ja, Du Sahra, liebe Hamburger Kunst-Freundin, geboren aus blendendem Licht. Du, mit Deiner stilvoll schicken Corbusier Hornbrille, sei nicht zerknirscht. Schau Dir an. Andere Shootings über Aufgebautes. Auch erbauend – sehenswert.