Kyudo

An einem Tag wie diesem. Die perfekt symmetrische Feder einer weissen Taube liegt vor der Bauernhaustür. Intuition.
Am Nachmittag treffe ich erneut die weisse Feder. Sie ist nun haargenau eingepasst in zwei Pfeilbogen, neben einem Yumi. Der asymmetrische Bogen ist mit über 2 Meter enorm lang.
Japan. Im Ateliergarten. Reini der Bildhauer, Zeichner und Kyudo-Meister. Er steht in ästhetischer Ruhe. Schönheit, Wahrheit, Güte. Bin ich Tetsuya, in Coelhos Der Weg des Bogens begegnet? Die Geschichten des Meisters sind Prolog und Epilog – Gedanken und Erkenntnisse zu den Phasen des japanischen Bogenschiessens Kyudo. In jeder Zeit des Lebens ist der Weg des Bogens enthalten. Auch an einem Tag wie diesem, an dem ich Reini traf.

Die Fenster zur anderen Seite

Du sagst mir, ich müsse nicht nur das Eine sehen. Da ich heute zurückblättere, erkenne ich wie geblendet ich bin. Dem Schöngeist droht der blinde Fleck.
Du legst die Kamera zur Seite und erzählst von den hoffnungslosen Siedlungen Deiner wenigen Lieben.
Die Fenster auf der Rückseite sind die der geheimen Heime. In einigen weht noch der Duft der Ex-Geliebten. Alles Kompromisse, Verlegenheitslösungen. Vielleicht ist der zukünftig einzig Andere der Richtige – vielleicht erneut zur falschen Zeit?
Die Fassade vorne, zur baumlosen Allee ist makellos glamourös. Doch nur Fassade.
Am Checkpoint zum neuen Leben wendest Du Dich mit einem Lächeln von mir ab: „Hoffentlich gefallen Dir die anderen fünfzig Prozent meiner Heimat.“
Ich vergesse nicht, nur das Eine zu sehen.

Der Kosmos

Ich gönne mir einen Orzo mit Orangenschale. Lagergeleise vor mir. Das nahe Gespräch auf der Campus-Treppe lässt mich nicht weghören. Das Semesterthema skizziert einen Mann von Welt. Sein Vater ist früh gestorben. Seine Kindheit unglücklich und die Mutter ist ohne Empathie, gefühlskalt. Erstaunlich, nach diesem Kaltstart – Alexander von Humboldt wird Naturforscher, Universalgelehrter. Wohin man rührt, er ist überall zu Hause (meinte Goethe). Kaum eine Wissenschaft, in der von Humboldt nicht bewandert ist. Die Welt – für ihn ein grosses Ganzes, in dem alles mit allem zusammenhängt. “Kosmos”, sein Lebenswerk.
Die Natur ist ein Geisterhaus. Selbst die Wüste belebt sich, sobald man den Spuren der arbeitsamen Menschenhand begegnet.
Wie viele Seiten Wissensdurst wird die Seminarstudie der jungen Treppennachbarn dem weltgereisten Naturforscher, schenken? Alles bleibt so vernetzt.
Ich wandere den frühen Lagerhallen entlang in die nahe Stadt. Kosmos. Eine jahrelange Liebe meldet sich.

Small Rooms

Das Haus gefiel mir. Die Familie gefiel mir. Sie gefiel mir. Alles so aufgeräumt. Wohlerzogen, gebildet, katholisch. Der Vater hat eine Geliebte, er ist weggezogen, aufs Land. Auch er ein Künstler, geordnet genial verspielt. Ein Träumer wie ich. Doch das interessiert niemanden. Schade, wie soll ich mein tägliches Ego füttern. Ich kaufe mir ein Buch „Lerne nein sagen ohne Skrupel“, dann den Bestseller „Sag es keinem weiter – warum wir Geheimnisse brauchen“.
Ich blättere vorwärts, hier im verschwiegenen Raum. Auf der Etagere, ein aussortiertes Comic-Heft mit geglätteten Eselsohren – man wollte mal wissen, wo man war. Eines der wenigen noch existenten Exemplare – aus einer Auktion, bitte, wie ich später hören werde.
Ich greife nach dem abgegriffenen Schundheft. Ich hätte dies nie erwartet hier, im ehrenwerten Haus.

Die Migration

Auf dem Weg zum Meer begne ich Sebastião Salgado. Eine mit Niqab verhüllte Tuareg streift kurz mein Blickfeld am Uferweg. Ich entsinne seiner emphatisch, ästhetischen Schwarz-Weiss-Bilder, Terra, Genesis, Sahel – dunkelgrau verschleierte Menschen in Afghanistan: die Projektarbeiten über Migration, das erzwungene Nomadensein. Die Reise in eine erhoffte, edlere Welt. Die Bilder sind bleiern. Ein Tagtraum?
Ich schlendere den Bermenweg zurück. Die Verhüllte entpuppt – Armarinhos Teixeiras Skulptur-Werk Morfología Oblíqua steht im Kontext zum Ort. Im sicheren Hafengebiet – noch?
Alles fliesst.
Die Passagiere von gestern haben keine Geduld zu warten. Sie steigen nicht zu. Warum sollten sie die Komfortzone verlassen, in einem der reichsten Länder der Welt.

Anonymus

„Hey, Quentin, hetz nicht so.“ Die jungen Stimmen hallen weitunten im Treppenhaus der Hochschule der Künste und das Quietschen der Sneakers signalisiert schnelles Näherkommen. Atemlos huscht die kleine Studententruppe ins obere Stockwerk. Drei Youngsters tragen Guy Fawkes-Masken. Eine mit Kopfband nach vorne. Ihr markant geformtes Gesicht, ungeschminkt schön. „Ich werde an Dich denken, wenn ich alles andere vergessen habe – remember the Fifth of November Gunpowder, treason and plot; I see no reason why gunpowder treason should ever be forgot.”
Sehen so junge Tänzer, Blogger, Hacker aus?
Die Türe zum Gang öffnet sich nochmals und einer der Anonymi spricht langsam, leise, fast unhörbar: „Du, Visual Storyteller – ich sag Dir, was wahr ist; Du kannst Dir Deine eigene Ansicht bilden. Und ich werde an Dich denken, wenn ich im Schatten bin.“ Das Türschloss klickt sanft, mit einem metallischen Ton, in die andere kaum sichtbare Welt.

The Bigger Sleep

Alles ist so verwoben. Nicht auf den ersten Blick. Das Komplexe entdeckst Du mit der Reife. Und es ist nicht zu spät. Der Fussabdruck vom immer wieder ersten Menschen – mit Stempelkissen für die glücklichsten Eltern; oder mit Mondstaub aus dem Meer der Stille? Vielleicht mit weiss gezackten Rändern, mit Kinderlachen im Poesiealbum. Dann hörst Du die sanfte, silbrige Stimme, passend zu ihrem dunklen Haar. Sie hatte schon als kleines Mädchen den so bösen Blick drauf. Und es war nicht die kratzige Wollmütze oder der quälende Sand im Schuh.
Alles so verflochten.
„Es hat mir nichts ausgemacht, wie sie mich nannte, wie mich jemand nannte. Aber in diesem Raum musste ich leben. Es war alles, was ich in der Art eines Zuhauses hatte. Darin war alles, was mir gehörte, das für mich eine Verbindung hatte, eine Vergangenheit, irgendetwas, das an die Stelle einer Familie trat. Nicht viel: ein paar Bücher, Bilder, Radio, Schachfiguren, alte Briefe, solche Sachen. Nichts. So wie sie waren, hatten sie alle meine Erinnerungen.“ (Raymond Chandler, im schillernden Beziehungsroman The Big Sleep.)
Und dann eine neue starke Stimme, die Performerin Sophie Jung, hier mit ihrem Werk The Bigger Sleep, einer spiegelnden Rauminstallation mit neuem Deutungshorizont. Surreale Skulpturen und lieblich-vertraute Objekte – „lost souls“. Viele Fragen nach Realität und Fiktion.
It’s not what it lookes like. Auch die getigerte Main Coon ist vielleicht eine schwarze Scottish Fold.
Und – die kleine Schuhnummer 22, wieder ein grosser Schritt für die Menschheit. Verbundenheit ist das Schlüsselwort in Sophie’s Welt – aufgewacht aus dem tiefen Schlaf.

Die Maiden

Die Mägde Catharina und Maria sterben jung. Mit nur 20 und 28 Jahren. Doch was ist mit dem Kind der noch ledigen Mutter Maria geschehen?
Wir schreiben das Jahr 1895. Das Vergangene, das Dunkel ist nicht leer. 300 Jahre später; Informationen im Wartezustand. 30 heimlich besprochene Audiokassetten zeugen vom Leid und Schicksal der Magd. Die Frau als Eigentum und Dienerin. Die Fruchtbarkeit der Menschen ist dramatisch zurückgegangen. Mägde sorgen für den Nachwuchs der Oberschichten. Kaltes Schaudern überzieht mich beim Gedanken an die Science Fiction Szenen aus „Die Geschichte der Dienerin“ von Margaret Atwood. “Der Report der Magd” (Original – The Handmaid’s Tale), ein dystopischer Roman; das Porträt eines totalitären Männerregimes. Wir schreiben das Jahr 2195.
Das wahrlich Erschreckende an Atwood’s Fiktion – die negative Utopie, sie scheint in religiös autoritären Gesellschaften wahrlich keine Fiktion zu sein. Nicht nur dort. Ist der Mensch in einer Zeitschleife gefangen?

Berggasse 19

Eine Zugehfrau wischt mit einem feuchten Tuch Wollmäuse von den Treppen zum ersten Stock. Nachboten vom Vortag. Sauber soll sie sein, die zum Museum umfunktionierte frühere Ordination und Wohnung von Professor Sigmund Freud in Wien. Die Tür zur Eingangskasse nur angelehnt. Ein junger Mann in dunkler Hose, weissem Hemd mit Fliege und fast zu perfekt – mit John Lennon-Brille. Ein junger Sigmund. Sonst keine Menschenseele, hier frühmorgens im Haus, wo jahrzehntelang bis 1938 hunderte von Seelen psychoanalytisch fürs andere Leben ausgelotet wurden.
In liebevollem Wienerisch meint der junge Mann: „Das Museum öffnet erst um zehn, bitte“. Wenn ich ihn so reden höre denke ich an Franz Huchel, den Protagonisten in Seethalers Roman „Der Trafikant“ – die Geschichte des jungen Franz, seiner Liebe zu Anezka und seine Freundschaft mit Sigmund Freud im Wien der Dreissigerjahre. Nun tauche ich ein in das frühere Leben, rieche den würzigen Tabak und höre das Knistern von Freuds Zigarre.
„…Nachdem der Professor im Haus verschwunden war, legte Franz sein Ohr an die Tür und schloss die Augen. Das Holz war immer noch sonnenwarm, und drinnen verhallten Freuds Schritte im Stiegenhaus…“

Kassel

Der Weg durch die leeren Hallen gehört zum Programm. Doch drüben – nur verschlossene Wände. „Wo ist der Ausgang?“ Sie hielt mich wohl für einen Security-Man (meiner spiegelnden Ray Ban sei‘s geschuldet). Ich sagte, „sorry, ich arbeite nicht hier, ich bin wie Sie nur…“, und ich sah in ihren Augen erst Staunen, dann zögerlich ein Verstehen. Die Schiebe-Türen, wie Tiefkühltore, sind nur schwer zu bewegen. Vielleicht ist’s die Männerkraft, die Kommunikation provoziert. Die Kunststudentin besucht die dOCUMENTA zum ersten mal, wie sie mir später im Café, unweit der früheren Lagerhallen zu verstehen gibt.
Der Guide mahnt die Besuchergruppe zum Aufbruch und Aurelié fragt mich am Ärmel zupfend: „Wer ist denn diese junge Frau, eine Studentin, eine Bekannte von Dir?“ „Nein, meine Heldin, nur eine Motte in meinem lichten Leben. Ich hab ihr von Dir erzählt und sie ist weiter geflogen.“
Aurelié meint später, sie sei gerne mein Motten-Vertilgung-Mittel. Dies ist nur Tage her.

Memento Mori

Hat Brantly Bright vom Ballett-Tanz- ins Schauspielfach gewechselt? Nach Jahren begegne ich der früheren Primaballerina in der Medienmatrix – ein Bild von ihr. Ein Filmstill? Brantly, aus Corpus Christi, sitzend vor einem Mikrophon auf einer Art Tribüne. Ist es ein Altar, ein Predigersitz, eine Kanzel? Das dunkle Holz vermittelt kühle Strenge.
Die Geschichte dieses Bildes birgt unendliche Trauer. Brantly ringt im Gerichtsaal um den sinnlosen Unfall-Tod, das verlorene Leben ihrer jungen Tochter Elena.
Ein alkoholisierter Raser ist des Mordes angeklagt. Elena wird im September 2009 in der Wait Chapel, Wake Forest University, North Carolina, zu Grabe getragen.
Das berührende Bild aus der Medienwelt holt mich nun – Jahre später wie ein Blitzschlag ein.
Die Kanzel, das Mikrophon, der steril-kühle Raum wie eine Fiktion – träume ich oder erinnere ich mich an einen Traum?
Doch beide Räume sind Wirklichkeit des Memento Mori.
Auch hier, in der Ersten Kirche Christi, am Picassoplatz geht’s um das Sterben. Der deutsche Photokünstler Thomas Struth, begleitet Forscher der Veterinärmedizin bei Studien zur Artenvielfalt. Sein jüngstes Werk Animals beleuchtet Tierwesen, nach dem Moment ihres natürlichen Vergehens. Das Projekt in der ehemaligen, von Otto Rudolf Salvisberg (1882-1940) erbauten Kirche, ist Teil eines öffentlichen Parcours während der Art Basel. Struths Sujets erscheinen im weiten Raum wie aufgehoben zwischen Leben und Tod. Ein Auferstehen in ihrer eigenen Schönheit. In Würde und Schärfe mahnen die Tierwesen an die Vergänglichkeit des Lebens. An den unendlichen Schlaf. Elena.

A. J. Quinnell

Der Weg zu seinem Haus auf der Anhöhe von Kerċem ist nur mit Guide zu finden. A. J. Quinnell, der Thriller-Autor, lebt zurückgezogen; fern der Jetset-Welt. Für seine Arbeit sucht der Erfolgs-Autor in der faszinierend kargen Landschaft auf Gozo die Ruhe, das Alleinsein. Sein altes Anwesen ist aus massivem Stein gebaut. Eine Schutzhülle, ein Kokon zur Mystery-Welt?
A. J. Quinnell – ein Pseudonym. Die Bücher des Autors erreichen Millionenauflagen und sind in die wichtigsten Sprachen der Welt übersetzt. Die Romane – packend, raffiniert erzählt. Die Recherchen, undercover, ausnahmslos punktgenau. Miterlebt, den Geruch der Angst. Kriege, Geheimdienste, Killer-Kommandos. Quinnell kennt das Blut des verwundeten Soldaten, den Schock, seine Liebste zu verlieren. Am weissfahlen, kalten Körper zu trauern. Schmerzen, Wut, endlose Zeiten. Dann das Vergeben, Hoffen. Die Neugeburt. Wenn er schreibt, spricht seine Seele. Nacht ist der Tag.
Anfang der 90er, in Mgarr, Gleneagles Bar – ein erstes Treffen mit Quinnell. Viele Gespräche über sein Leben, die Kunst des Schreibens – Diskurse, Buchkritiken bei Wein und lukullisch-gozitanischer Küche binden eine lange Freundschaft. Ein doppelseitiges Porträt in einem Schweizer Print-Magazin amüsiert den sonst so Medienscheunen.
2004 wird einer seiner Bestseller, der Roman „Man on fire“ (dt. Der Söldner/Mann unter Feuer) mit Denzel Washington, Mickey Rourke und Christopher Walken verfilmt. Spannend. Nichts für schwache Nerven.
Die bezaubernde Insel Gozo wird letzte Heimat des in Nuneaton (GB) geborenen Bestseller-Autors. Philip Nicholson – so sein bürgerlicher Name – verstirbt dort 2005 erst 65-jährig. Nicht nur die Landschaft bleibt.

Landhaus Charme

Sie sind meist über 100 Jahre alt. Die Gemäuer, meterdick Natursteinfest. Tonziegel und Eichenbalken schützen wie Schuppen, tragen wie Dinosaurier-Skelette.
Die Innen- wie Aussenräume strahlen leises Verträum-Sein. Der Schritt nach Draussen, wie ein Schritt in den Garten Eden. In der Scheune nebenan wohnen wohl auch Feen. Und Nachts toben sich ab und an geräuschvoll liebestolle Marder aus.
An heissen Tagen ist’s die Brise der Sommerfrische, im Winter, das offene wärmende Kamin – in dieser Romantik heisst arbeiten Leben. Wer wohnt hier?
Bob Dylan löst’s blechern-singend aus dem iPad vom Nebenraum: „She’s got everything she needs, She’s an artist, she don’t look back…“. Das idyllische Bauernhaus lockert zum Kreativ Sein.
Am Türpfosten hängt das übergrosse Kunstmalerinnen-Hemd. Ralph Lauren – noch fleckenlos.
In der Weite des Landes – aus der Enge der Stadt.

Niemandsland

„Fly yellow bee, fly – follow me, yellow bee, fly.“ Die kleine Anna freut sich auf die Reise von Wien nach London. „Granny“ erwartet Mamma und Enkelin in Gatwick.
Im Ringeltanz verträumt, singend glücklich, was bald folgen mag. Vielleicht ein neuer Teddybär von Oma? Frohlockende, befreiende Szenen sind am Ort des Abschieds eher selten auszumachen. Der Flughafen, Bahnhof, die U-Bahn – Bilder, Situationen vor dem Weggehen und dem Ankommen. Die Zeit dazwischen.
Sie hat oft mit Warten zu tun. Zeitlos wird die Zeit verlebt. Melancholie hängt in der Luft. Kurzes Einsam sein. Und kaum ist die Zeit herum, ist das Warten wie vergessen. „Terra Nullius“, das Gebiet zwischen den Kontrollstellen. Wer liebt dies schon? Es sind Momente des Gehens und des Kommens. Erleben wie Anna – so oder so – einfach befreit.

Monsignore mag dieses Bild

“Oh, dieser Himmel – so farbenfroh“. Die attraktive Wienerin Aurelia vom Tourismus-Office ist immer wieder aufs Neue entzückt.
Fast fassungsloses Staunen. Bis der Nacken schmerzt. „Monsignore mag diese Bild bestimmt – eine symbolische Himmelsleiter“. Die Besuchergruppe aus der Schweiz nickt hingebungsvoll.
Einfinden, nicht nur zur stillen Andacht und Meditation – nein, hunderte von Touristen bevölkern täglich die römisch-katholische Karlskirche im Wiener Bezirk Wieden. Der sakral barocke Bau zählt zu den bedeutendsten Wahrzeichen der Donaustadt. Die Fresken in der Kuppel sind mühelos über einen Panorama-Aufzug von Nahe zu bewundern. Der ursprünglich nur zu Renovationszwecken aufgebaute Lift dient heute den Kirchenoberen als lukrative Einnahmequelle.
Die Monsignori in Rom wird dies sicherlich freuen.

Andere Stimmen, andere Räume

Lautes Gelächter, vielmehr ein stakkato-artiges Gekicher hallt von oben aus dem “Zimmer der Witwen” (so der etwas skurrile Name). Im Saal unten, das Vorbereiten für ein grosses Fest.
Eine reiche Familie aus Florenz führt morgen ihren Sohn vor den Traualtar. Die attraktive künftige Schwiegertochter ist in einer Bauernfamilie nahe Artiminio gross geworden. Die junge Anwältin Antonella wird ihren Ermenegildo „il mio uomo“ nennen.
Die im 16. Jahrhundert erbaute Villa Medici ist vom ehemalig ruralen Jagdsitz zum beliebten Ort für feierliche Veranstaltungen – vor allem Hochzeiten mutiert. Jagd nun so oder so beendet. Der noch dunkle Saal wird bald erhellt zum Tanze rufen. Bis dann sind Polanskis Vampire sicherlich verjagt.