The Bigger Sleep

Alles ist so verwoben. Nicht auf den ersten Blick. Das Komplexe entdeckst Du mit der Reife. Und es ist nicht zu spät. Der Fussabdruck vom immer wieder ersten Menschen. Mit Stempelkissen für die glücklichsten Eltern; oder mit Mondstaub aus dem Meer der Stille? Vielleicht mit weiss gezackten Rändern, mit Kinderlachen im Poesiealbum.
Dann hörst Du die sanfte, silbrige Stimme, passend zu ihrem dunklen Haar. Sie hatte schon als kleines Mädchen den so bösen Blick drauf. Und es war nicht die kratzige Wollmütze oder der quälende Sand im Schuh.
Alles so verflochten.
„Es hat mir nichts ausgemacht, wie sie mich nannte, wie mich jemand nannte. Aber in diesem Raum musste ich leben. Es war alles, was ich in der Art eines Zuhauses hatte. Darin war alles, was mir gehörte, das für mich eine Verbindung hatte, eine Vergangenheit, irgendetwas, das an die Stelle einer Familie trat. Nicht viel: ein paar Bücher, Bilder, Radio, Schachfiguren, alte Briefe, solche Sachen. Nichts. So wie sie waren, hatten sie alle meine Erinnerungen.“ (Raymond Chandler, im schillernden Beziehungsroman The Big Sleep.)
Und dann eine neue starke Stimme, die Performerin Sophie Jung, hier mit ihrem Werk The Bigger Sleep, einer spiegelnden Rauminstallation mit neuem Deutungshorizont. Surreale Skulpturen und lieblich-vertraute Objekte – „lost souls“. Viele Fragen nach Realität und Fiktion.
It’s not what it lookes like. Auch die getigerte Main Coon ist vielleicht eine schwarze Scottish Fold.
Und – die kleine Schuhnummer 22, wieder ein grosser Schritt für die Menschheit. Verbundenheit ist das Schlüsselwort in Sophie’s Welt – aufgewacht aus dem tiefen Schlaf.

@ Philipp Senn.

© Philipp Senn.