Der Uaso Nyiro

Nun liegt er vor mir, der Uaso Nyiro. Das letzte Mal habe ich ihn über Kenia gesehen, beim Flug von Tansania nach Europa. Vom Sitz A14 (der eigentlich in der 13ten Reihe steht) auf die Erde schauen – in der wohlig klimatisierten Swissair Tube.
Emerson Lake and Palmer – die AirPods sind im Transparenzmodus, damit ich die gepressten Stimmen aus dem Cockpit nicht verpasse… («unter uns, das Flussdelta des Uaso Nyiro…»).
Gedankenversunken schwebe ich über dem CD-Cover von Brain Salad Surgery hin zu HR. Giger, zu seinen Airprush Erotomechaniks, den Alians und Biomechanoiden.
Seine phantastisch-surrealen Werke – die visuellen Effekte sind geniale Meilensteine der neuen Kulturwelt.
Nun liegt er wieder vor mir, der Uaso Nyiro – im Weinbergdorf, gefallen vom Sturmtief vor wenigen Tagen.
Die armdicken Efeu-Äste, am Stamm klammernd und festgesaugt, werden im Winter mit dem stattlichen Kirschbaum Wohnstuben wärmen.
Ich bin mir heute nicht sicher, war’s zuerst der monochrone Musik-Rhythmus, das iPod-Coverbild-Bild oder der A 14-Sitz-Ausblick in der 13ten Reihe, der mich glücklich inspirierte?

© Philipp Senn