Kassel

Der Weg durch die leeren Hallen gehört zum Programm. Doch drüben – nur verschlossene Wände. „Wo ist der Ausgang?“ Sie hielt mich wohl für einen Security-Man (meiner spiegelnden Ray Ban sei‘s geschuldet). Ich sagte, „sorry, ich arbeite nicht hier, ich bin wie Sie nur…“, und ich sah in ihren Augen erst Staunen, dann zögerlich ein Verstehen. Die Schiebe-Türen, wie Tiefkühltore, sind nur schwer zu bewegen. Vielleicht ist’s die Männerkraft, die Kommunikation provoziert. Die Kunststudentin besucht die dOCUMENTA zum ersten mal, wie sie mir später im Café, unweit der früheren Lagerhallen zu verstehen gibt.
Der Guide mahnt die Besuchergruppe zum Aufbruch und Aurelié fragt mich am Ärmel zupfend: „Wer ist denn diese junge Frau, eine Studentin, eine Bekannte von Dir?“ „Nein, meine Heldin, nur eine Motte in meinem lichten Leben. Ich hab ihr von Dir erzählt und sie ist weiter geflogen.“ Erst nachher entdecke ich beim Bearbeiten in Lightroom (eine Bilder-Nummer entfernt), die vielen weggesperrten Neonröhren. Ausgedient.
Aurelié meint später, sie sei gerne mein Motten-Vertilgung-Mittel. Dies ist nur Tage her. Die Leuchtröhren, nicht mehr attraktiv, sie liegen dort, sorgenlos.
documenta alte neon roehren hinter gitterzaun

© Philipp Senn.