Kosmos

Ich gönne mir einen Orzo mit Orangenschale. Lagergeleise vor mir. Das nahe Gespräch auf der Campus-Treppe lässt mich nicht weghören. Das Semesterthema skizziert einen Mann von Welt. Sein Vater ist früh gestorben. Seine Kindheit unglücklich und die Mutter ist ohne Empathie, gefühlskalt. Erstaunlich, nach diesem Kaltstart – Alexander von Humboldt wird Naturforscher, Universalgelehrter. Wohin man rührt, er ist überall zu Hause (meinte Goethe). Kaum eine Wissenschaft, in der von Humboldt nicht bewandert ist. Die Welt – für ihn ein grosses Ganzes, in dem alles mit allem zusammenhängt. “Kosmos”, sein Lebenswerk.
Die Natur ist ein Geisterhaus. Selbst die Wüste belebt sich, sobald man den Spuren der arbeitsamen Menschenhand begegnet.
Wie viele Seiten Wissensdurst wird die Seminarstudie der jungen Treppennachbarn dem weltgereisten Naturforscher, schenken? Alles bleibt so vernetzt.
Ich wandere den frühen Lagerhallen entlang in die nahe Stadt. Kosmos. Eine jahrelange Liebe meldet sich.

© Philipp Senn.

© Philipp Senn.