Die Fenster zur anderen Seite

Du sagst mir, ich müsse nicht nur das Eine sehen. Da ich heute zurückblättere, erkenne ich wie geblendet ich bin. Dem Schöngeist droht der blinde Fleck.
Du legst die Kamera zur Seite und erzählst von den hoffnungslosen Siedlungen Deiner wenigen Lieben.
Die Fenster auf der Rückseite sind die der geheimen Heime. In einigen weht noch der Duft der Ex-Geliebten. Alles Kompromisse, Verlegenheitslösungen. Vielleicht ist der zukünftig einzig Andere der Richtige – vielleicht erneut zur falschen Zeit?
Die Fassade vorne, zur baumlosen Allee ist makellos glamourös. Doch nur Fassade.
Am Checkpoint zum neuen Leben wendest Du Dich mit einem Lächeln von mir ab: „Hoffentlich gefallen Dir die anderen fünfzig Prozent meiner Heimat.“
Ich vergesse nicht, nur das Eine zu sehen.

© Philipp Senn