Jenseits

Sie schreibt: „Schickst du mir ein Bild, das dich derzeit am meisten berührt von deinen Bildern, bitte? Geht das?“ Der Reisende, unterwegs vom Medizinmann, fühlt seine Kamera in der Schultertasche. Sein mediales Auge, das die Erinnerung nicht vergisst.
Die imaginäre Linie ist heute leibhaftig. Die Kontrolleure, mit misstrauisch strengem Blick, wünschen ihm gute Fahrt und Gesundheit. Obwohl – er ist resilient.
Die mediale Doktrin ist neu an der Grenze zu den Anderen. Die „Anderen“ sind hier wie im Jenseits fremd. Niemand war bisher eine Insel. Heute sind alle Inseln. Wie lange noch?
Ein Bild, das mich berührt? Du siehst es jeden Tag – aus den Ländern der vermeintlichen Freiheiten – die Porträts von den traurigen Clowns. Die Hälfte der Zuschauer im irdischen Zirkuszelt applaudieren, die lustigen Clowns hinter ihnen hofieren. Nur die Nummerngirls zeigen wie die Zeit verstreicht – Menschen werden geboren. Menschen sterben. Die Kathedralen bleiben geschlossen. Und die traurigen Clowns, sie glauben die Wahrheit zu predigen, verlassen irgendwann ungläubig das Zirkuszelt.
Aus der Ferne zur Grenze im jenseitigen Land – befreiendes Kinderlachen einer anderen Welt – sie ist auch die des Reisenden.
Meine Bilder schenke ich dir.

© Philipp Senn. 2020